top of page
Musik wächst nicht an Bäumen
IMG_3099.JPG
Worum es hier geht

„De la tradition, il faut garder la flamme et non la cendre.“

(Jean Jaurès, französischer Historiker, 1910)

Die deutsche Version wird Gustav Mahlers zugeschrieben, ist aber aus seinem Munde nicht wirklich belegt:

​

„Tradition ist die Weitergabe des Feuers und nicht die Anbetung der Asche"

 

Gesagt haben soll er jedoch:

​

„Was ihr Theaterleute eure Tradition nennt, das ist nichts anderes als eure Bequemlichkeit und Schlamperei“.

 

Asche eben.

​

Im Laufe eines Lebens wird immer klarer erkennbar, dass weder die Asche noch das Feuer den Fokus allein verdienen.

 

Es ist die Glut, der die höchste Aufmerksamkeit gilt.

 

Manche Teile von ihr werden zu Asche, andere sind Quelle neuen Feuers.

Was zu Asche wird und was die nötige Nahrung bekommt, um aufzuflammen, ist ein steter, bewusster Prozess. 

 

Die Texte, Videos und Audios des TonBlogs sind eine Mischung aus der Glut, die sich in meinem Denken, meinen Erfahrungen und Ansichten im Laufe der Jahre inmitten von viel Asche angesammelt hat, und den daraus erwachsenden neuen Flammen, die Tag für Tag zum nächsten Feuer auflodern und ihren Weg ins Leben suchen.

 

Gedanken, Musik.

​

Ein

Feuer,

von dem ich mir erhoffe, dass es etwas in sich trägt,

das

neben vielem anderen besonders

die Musik dringend braucht:

Die Wärme und das Licht,

um nicht in der Kälte der KI zu erfrieren.

 

Viel zu vieles ist bereits erstarrt. Zerbrochen an der Bequemlichkeit, die KI bietet, an der Schlamperei, die sich dahinter verbirgt, wenn es Bits und Bytes überlassen wird, wie Musik klingt, wie sie aufgebaut ist, was alles sie uns letzten Endes nicht mehr erzählt.

Verdient, was dabei herauskommt, noch den Namen Musik?

​

Musik wächst nicht an Bäumen.

Das ist der verbindende Hintergrund für all das, was im TonBlog zu finden sein wird.

​

Nein, Musik wächst natürlich nicht an Bäumen. Aber sie entsteht eben auch nicht durch das Aneinanderreihen von vorgefertigten, digitalen Bausteinen, durch das Zurückgreifen auf ein, gerade mal ein halbes Jahrhundert existierendes, Archiv aus Nullen und Einsen.

 

Um als das zu überleben, was dieser Begriff meint, braucht Musik die Authentizität der Gefühle, die Auseinandersetzung eines kreativen Menschen mit dem Ringen um jeden einzelnen Ton und die Entscheidung, mit welchem Klang er dem angestrebten Ausdruck gerecht wird.

​

Und sie braucht die Interpreten, die der Suche nach den Intentionen der Komponisten ihre eigene Sicht auf die Werke entgegenstellen und in der Art ihres Spielens und Singens eine Rolle spielen lassen.

​

Kunst ist ein kreativer Prozess.

KI fügt bereits Kreiertes lediglich neu zusammen.

KI kann keine Kunst.
Sie kann gegebenenfalls unterhaltsam sein.

​

KI gräbt geschickt in der Asche herum, die sich angesammelt hat, seit es das Internet gibt. Das Ergebnis ist im Idealfall gleich dem künstlichen Weihnachtsbaum, für den man recyceltes Material nutzt, um dann so zu tun, als könne er eine über Jahre gewachsene Pflanze ersetzen, ohne deren Duft, ihre einzigartige und unwiederbringliche Form. Und, vor allem: auch und gerade ohne ihre Vergänglichkeit, durch die erst ihre Schönheit zu etwas Besonderem wird.

​

Musik wächst nicht an Bäumen. Weder an den in der Natur gewachsenen, noch an jenen aus

Polyethilen, Polyvinylchlorid und Metall.

​

Musik entsteht aus Wissen, Erfahrung, und vor allem aus Emotionen. Sie beruht auf Fertigkeiten, die allesamt nur durch Lernen und Üben zu erlangen sind. Und sie erfordert die Fähigkeit zur Fokussierung auf das Hier und Jetzt im Augenblick des Kreierens und des Erklingenlassens, um durch sie Geschichten zu erzählen, die immer wieder auf Neue entstehen und vergehen.

​

Musik entsteht aus Leben.

​

​

Mit all seinen Themen, den Texten, Tonaufnahmen und Filmen ist der TonBlog eine Einladung, sich in diese Gedanken zu vertiefen und sich, ausgehend von ihnen, der Musik von innen her zu nähern, die Freude am Hören zu nähren.

​

Lassen Sie die eigene Glut sich daran entzünden.

bottom of page